Trekkingtouren und Wanderungen mit Eseln
Trekkingtouren und Wanderungen mit Eseln

Esel und Schafe

                                     ein Erfahrungsbericht

 

Auch wir haben vor ein paar Jahren mal versucht zu unseren Eseln 2 Schafe zu integrieren.

Auf der Wiese die wir seinerzeit gepachtet hatten wuchs viel Sauerampfer und dem wollten wir irgendwie Herr werden.

Ein Bekannter bot mir darauf hin 2 Schafe an für eine Weide-Wechselwirtschaft mit den Eseln.
Die Vorstellung war schon sehr verlockend: die Schafe fressen was die Esel nicht mögen und umgekehrt - zumindest zum Teil - und unser Problem wäre gelöst. Als er mir dann noch sagte dass er mir 2 Walliser Schwarznasen gibt war das "Projekt Schaf" direkt hochinteressant.

 

Ein Teil der Eselkoppel wurde seperariert mit einer weißen Litze damit die Schafe ein Rückzugsgebiet haben. Meine Esel kennen Stromzäune und akzeptieren diese. Wir konnten sie also so hoch hängen dass die Schafe darunter durch konnten.

Dann kamen die beiden Wallieser Schwarznasenschafe, 6 und 8 Monate alt und wir waren irre glücklich.

Eine Freundin von mit hat Hochlandrinder bei Ihren Eseln, das klappt super, und so waren wir voller guter Hoffnung.

Das Glück hielt etwa 30 Minuten an.
Dann hatten die Esel die Schafe entdeckt und wurden Neugierig, sie wollten wissen wer das hier auf ihrer Koppel ist. Den Schafen war das alles andere als geheuer und sie suchten ihr Heil in der Flucht. Das war eine Blöde Idee!

Binnen Augenblicken entschloß unsere Eselstute Wally "so ein Stress in meiner Koppel, das gibt es nicht!" und jagte massiv die Schafe. Die Aue übersprang den 120cm hohe Zaun und der Bock rannte am Zaun entlang bis Wally ihn zu fassen bekam.

Wally biss über den Schulterblättern zu, hob den 60kg schweren Bock hoch und galloppierte mit dem Schaf zwischen den Zähnen über die Koppel!

Dabei schlug sie wie Wild mit den Vorderhufen auf das Wehrlose Schaf ein.

Wir sind zu Dritt dem Duo gefolgt und ich hätte nicht gedacht dass wir Thor lebend befreien können.

 

Quetschungen und Prellungen waren erstaunlicher Weise alles was er abbekommen hatte - Projekt Schaf hatte einen echt übelen Beigeschmack bekommen!

 

Am nächsten Tag stand Wally auf 3 Beinen, vorne Rechts setzte sie nicht mehr auf. Nach über einer Stunde Fahrt sind wir in der Pferdeklinik angekommen.

Wally hatte eine Huflederhautprellung, sie hat wohl bei der Atacke vom Vortag Thor auf der Hornplatte getroffen! = 7 Tage Ruhigstellung in der Klinik und eine fette Rechnung hatten wir davon.

 

Doch es ging genauso gut weiter:
Die Wurmkur förderte Unmengen an Bandwürmern zu Tage, beide Schafe sind hoch verwurmt hier eingezogen. Danke!

 

Nach wenigen Tagen war dann auch schon klar dass ich ein kleines, doch wesentliches Detail übersehen habe: beim Abäppeln der Koppel und des Offenstalles war es einfach nicht möglich die kleinen Schafköttel sauber wegzubekommen. Überall lagen die Dinger, ständig tritt einer rein, das Zeug klebt in den Hufen und der Aufwand der Hufpflege stieg rasant an.
Auch fanden die Esel die Köttel in ihrem Futter alles andere als witzig und die Schafe sprangen auch in die Heuraufe, natürlich verlohren Sie auch hier das eine oder andere.

 

Langohren und Hornträger arangierten sich zunehmend und ich stellte mit entsetzen fest dass der Schafbock Thor ein Problem mit meinem Hund entwickelte da dieser Rassebedingt mit einem gesenkten Kopf läuft, was Thor als Drohung ansah!

 

Nach gemeinsamen 3 Monaten musste ich immer häufiger beobachen dass Thor nun auch Anfing die Esel von der Heuraufe zu vertreiben in dem er gegen die Beine oder den Bauch meiner Langohren stieß! Thor war jetzt 9 Monate alt, noch nicht Erwachsen aber bereits kastriert!

Der Junge ist noch nicht ausgewachsen, aber ein Füttern von Müsli oder Möhren war schon nicht mehr möglich auf der Koppel, auch nicht über den Zaun weil Thor dann die Esel buffte!
Ein Verletzungsrisiko für die Esel war nicht von der Hand zu weisen, mein Hund wollte nicht mehr auf die Koppel und wir beendeten das "Projekt Schaf" mit einem traurigen Gefühl.
Die Wunschvorstellung mit den Eseln und den Schafen gemeinsam zu wandern war dahin. Der Sauerampfer wurde nicht gefressen, meine Tiere hatten an Lebensqualität verlohren, und waren sogar gefährdet, ich hatte gutes Lehrgeld gezahlt und einen deutlichen Mehraufwand an Arbeit....

Nein, wir sind definitiv keine Schafmenschen auch wenn ich nach wie vor die Wallieser Schwarznasen wunderschön finden würde ich keine zweiten Versuch für ein solches Projekt starten.

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