Trekkingtouren und Wanderungen mit Eseln
Trekkingtouren und Wanderungen mit Eseln

Esel-Hengst halten - ja oder nein?

Der Esel-Hengst

Unsere Esel stammen erwiesener Maßen alle vom afrikanischen Wildesel ab. Esel-Hengste sind von Natur aus sehr dominante, wehrhafte Tiere mit einem ausgeprägten Sexualtrieb.
Der Eselhengst ist ein Einzelgänger, absolut ortstreu und hat ein festes Revier von etwa 5 km² (je nach Futterangebot auch bis 10 km² ) welches er niemals verlässt.

Das sind also mindestens 500 ha oder auch 5 Millionen qm !!!
Er markiert es mit Kot und Urin und seinem markanten Eselsruf, der allen anderen Eindringlichen klar macht, dass dieses Revier besetzt ist und nicht betreten werden darf. Nur wer Mut, Intelligenz und die notwendige Härte hat kann sich Fortpflanzen und Überleben.

Bereits im Alter von 7 Monaten ist der junge Hengst fortpflanzungsfähig und bereits die alten Ägypter haben den Esel für seine "Manneskraft" verehrt.
Esel sind deutlich Triebstärker als Pferde und der Fortpflanzungsakt gleicht eher einer Vergewalltigung als einem Liebesspiel.

 

Die Evulutionsgeschiche hat das Verhalten der Esel maßgeblich geprägt und  schaut auf stattliche 60 Millionen Jahre zurück!!!
Etwa 4000 v.Chr. hat der Mensch angefangen den Esel zu Domestizieren - wer diese Zahlen vergleicht, sollte sich im klaren sein, dass 7000 Jahre Nutzung durch den Menschen die Instinkte und Urinstinke der Esel nur unwesentlich beeinflusst haben.

 

Mittlerweile wissen wir, dass der Mensch im Umgang mit Tieren - gleich welcher Art - immer dann Probleme bekommt, wenn diese Tiere nicht artgerecht gehalten werden, nicht ihren Trieben entsprechende auslastet sind und / oder falsch behandelt werden.

 

Was bedeutet dies nun für die artgerechte Haltung eines Eselhengstes?

Zuerst brauchst du eine richtig, richtig große Koppel von min. 1 ha / 10.000qm - je mehr desto besser, weniger ist nicht akzeptabel!
Diese Weide braucht natürlich den Wetterfesten Unterstand und einen Bereich mit einem befestigen Boden für den Winter. Optimal ist auch ein Hügel von wo aus der Hengst die Gegend beobachen kann und Einblick in den Hof so dass er am Alltagsgeschehen teil nehmen kann.

 

Die große Fläche ist zwingend notwendig weil dein Eselhengst hier sein ganzes Leben verbringt!!!
Bedenke: Instinktgesteuert ist er ist Standortstreu und wird dieses Gelände nicht verlassen wollen!
Sein ganzes Leben sollte sich hier abspielen - inklusive Pflegemaßnahmen und Winteraufenthalt deshalb heisst die Grundformel für den Eselhengst: Fläche und noch mehr Fläche.

 

Hier auf dieser Koppel bekommt er dann im Frühjahr Esel-Damenbesuch damit er sich seinem Natuell entsprechend Fortpflanzen kann und nicht durch einen Triebstau im Umgang gefährlich wird. Im Herbst "ziehen die Damen dann weiter" entsprechend des natürlichen Lebensrythmus der Esel.

 

Der Zaun dieser Koppel gleicht einem "Hochsicherheitstrakt" denn es wird nicht zu vermeiden sein, dass der Hengst rossige (Pferde)Stuten in der Umgebung wahrnimmt und spätestens dann hält kein Stromzaun mehr.

 

Spazierengehen, Wandern, Anspannen und ähnliche Aktivitäten sind zu vergessen,

zum einen fühlt sich der Hengst ausßerhalb seines Revieres äußerst unwohl und ist dementsprechend gestresst,

zum anderen kann es ein sehr gefähliches Unterfangen werden wenn er unterwegs Intersse an der Damenwelt in der Umgebung entwickelt oder ihr einfach mal ein kurzes Dominanzproblem bekommt.

 

Das wäre der optimale Fall einer artgerechten Hengsthaltung.

 

Sozialpartner die unentwegt mit dem Hengst zusammen gehalten werden entsprechen nicht seinen Instinkten. Versuche Hengste mit Schafen und Ziegen, also Weidetieren die nicht seiner Gewichstklasse entsprechen, zu Vergesellschaften verlaufen für diese Tiere leider häufig tödlich, da diese dem wilden Spiel eines Eselhengstes nichts entgegen zu setzen haben!

 

Und wenn du nun sagst: "ich kenne einen, der ist 3,4,5,6 Jahre und super schmusig und umgänglich!"
dann kann ich nur sagen: Dann warte mal bis er Erwachsen ist, das ist er mit dem Alter noch nicht aber der Tag wird kommen!

 

Umgang mit Hengsten

Der Umgang ist eher speziell, denn wir haben es hier mit einem sehr dominaten Tier zu tun.
Wird ein Eselhengst nicht richtig behandelt, also seiner Art entsprechend, dann wird er versuchen den Menschen zu domieren, aggressiv, bissig und nicht mehr zu kontrollieren.

Oft funktioniert das Zusammenleben mit einem Hengst Jahrelang und die Halter bezeichnen ihn als immer als "freundlich, liebevoll und umgeänglich".
Doch irgendwann ist alles anders,  die Hormone haben einen großen Einfluss auf das Verhalten des Hengstes, und das muss für uns nicht immer ersichtlich sein. Das ist kein Prozess der sich langsam hinzieht, die Wesensverändrung des Hengstes kommt von heute auf morgen!

Die überraschten Halter reagieren dann leider Häufig mit Schlägen, doch das ist vollkommen falsch, denn ein Eselhengst der unter einem Adrenalinschub steht wird sich davon sogar noch annimiert fühlen!!!

Hier kann in der Not nur ein Eimer Wasser helfen.


Es ist vollkommen egal wie groß oder klein der Esel ist - einem Hengst kann man niemals Vertrauen!

 

Im Umgang mit einem Hengst heißt das:
(vorausgesetzt die oben aufgeführten Haltungsbedingungen für eine artegechte Haltung können überhaupt erfüllt werden)

  • ein Hengst gehört nur in die Hände von Eselprofis

  • er muss absolut konsequent erzogen und gehalten werden, Fehler dürfen nicht passieren.

  • "Spiele" die bei einem Fohlen akzeptiert oder im schlimmsten Fall mitgespielt werden führen später zu Dominanzproblemen da der Eselhengst in jungen Jahren nicht den notwendigen Respekt vor dem Menschen gelernt hat

  • Dominanzgesten sind prinzipiell zu unterbinden (z.B. Kopf auf die Schulter legen, zwicken in die Wade, ungestümes Anrempeln....)

  • der Hengst muss aufs Wort gehorchen und zurückweichen wenn die Bezugsperson sein Revier betritt

  • wird der Hengst aus seinem Revier geführt, dann geschieht dies prinzipiell mit Trense und Gebiss und niemals nur mit einem Halfter

  • für Fremde, Freunde, Bekannte, Kinder ist es verboten die Hengstkoppel ohne den Besitzer zu betreten

  • dem Henst sollte man niemals den Rücken zuwenden ohne genau zu wissen wo er ist und was er macht

  • Bodenarbeit und Übungen zum besseren miteinander finden ausschließlich auf der Koppel in seinem Revier statt

 

Da auch die Vergesellschaftung eines Eselhengstes schwierig ist (ein Sozialpartner muss körperlich passen, aber auch ein Wallach kann beim Geruch einer rossigen Stute als Konkurent angesehen werden)

ein Leben ohne jeglichen Sozialkontakt auch nicht erstebenswert ist, sollte sich der Interessent sehr genau überlegen ob er wirklich einem Hengst über Jahrzehnte hinweg gerecht werden kann und will!

Ein Leben als Außenseiter im Exil für Eselhengst und Halter!

 

Der Artgerechte Sozialkontakt wären eben nur die Stutengruppen in den Sommermonaten zum decken. Dies jedoch darf nur geschehen, wenn der Hengst auch vom DZE.eV als zuchttauglich eingestuft wurde und man als Züchter über das notwenige Hintergrundwissen verfügt.

 

Aus diesen ganzen Gründen ist von der Hengsthaltung als Privatmann definitiv abzuraten!
Wenn "das Kind erst mal in den Brunnen gefallen ist" der Hengst schon negativ aufgefallen ist und dann mal wieder der Fall von "wir müssen uns umständehalber von ihm trennen" eintetreten ist,

dann reden wir von einem weiteren schwer vermittelbaren Esel dessen Zukunft oft sehr kurz und unschön endet.


Je früher der Hengst kastriert wird,

desto angenehmer und stressfreier ist sein Leben.

Er kann in ein Herde integriert werden und als Wallach ist er ein zuverlässiger und ruhiger Wanderbegleiter.


Die Kastration kann ab dem 6. Monat erfolgen und muss immer von einem Eselkastrationserfahrenen Tierartz durchgeführt werden.

Manfred Stoll und Maren Hessing sind die Tierärzte mit einer ausgezeicheten Eselkompetenz.
Bitten sie Ihren Tierarzt sich vor dem Eingriff an ihrem Esel mit diesen in Verbindung zu setzen.

Doch die Realität ist leider oft anders!

Eselvereine sind sehr daran interessiert aufzuklären, doch außerhalb dieser Vereine befinden sich unzählige Eselhengste die ein anderes Leben führen.

Immer wieder findet man auf einschlägigen Internetseiten Verkaufsannoncen für Hengste mit dem Lieblinsspruch umständehalber abzugeben“ und immer wieder auch Hengste im Doppelpack die sich "super verstehen".

Diese Hengste werden oft zu absoluten "Schnäppchenpreisen" angeboten. Kein Wunder, wenn man bedenkt dass Statistiken belegen dass 2 von 3 Fohlen männlich sind.
Es gibt also einen Überschuss in der unkontrollieren Zucht den die entsprechenden Vermehrer einfach nur los werden müssen.

 

Eine Kastation kostet Geld und ist lebensgefählich für den Esel - ein Grund weniger dass Vermehrer ihre Hengste kastrieren lassen.

 

Immer wieder halten Menschen 2 Hengste zusammen, immerhin wurden sie ja auch so gekauft und das hat ja alles gut geklappt bis jetzt.

Doch es gab schon genug Fälle, in denen der Stärkere plötzlich den Schwächeren angriffen hat. Solche Angriffe enden binnen weniger Minuten für einen der beiden schwer verletz oder tödlich,

den der Zaun verhindert dass der Schwächere fliehen kann!

Der stärkere Hengst ist deswegen nicht bösartig, aggressiv oder unberechenbar, er ist nur seinen Instikten gefolgt!

...... auch wenn uns dies mit unserem Moralischen Denken dann gerade nicht passt.

 

Ein Eselhengst der nicht in der richtigen Umgebung, mit den richtigen Haltungsbedingungen und ausgelastet durch mehrere Stuten im Jahr zur regelmäßigen Zucht gehalten wird ist eine tickende Zeitbombe.


Hengste die ihre Besitzter aus dem nichts auf der Koppel attakieren, ganze Finger abreißen oder gar aus der Koppel ausbrechen um hamlose Passanten zu decken sind absolut nicht´s witziges - aber diese Geschichten sind Tatsachen die schon häufiger vorgefallen sind!

 

Spätestens wenn dir als Privatmensch und Otto-Normal-Bürger ein "Züchter" einen Hengst verkaufen will, solltest du dich vom Acker machen,

denn du stehst vor einem profitgierigen Vermehrer oder dubiosen Händler dem das Wohl des Tieres und künftigen Esel-Mensch-Teams egal ist.

 

Jeder Mensch hat einen gehörigen Respekt vor Stieren, nur weil der Eselhengst keine Hörner hat sollten wir ihm den selben Respekt zollen.
Die wenigen, lieben Hengste in Privathand die sind die berühmte Ausnahme!

Das heißt nicht das Eselhengste blutgierige Monster sind, nein, sie leben nach den Regeln der Evuluton und Trieben, diesen können nur die wenigsten Menschen im Alltag und unseren Lebens- und Haltungsmöglichkeiten wirklich gerecht werden!

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