Trekkingtouren und Wanderungen mit Eseln
Trekkingtouren und Wanderungen mit Eseln

Artgerechte Eselhaltung

Was heißt Artgerechte Eselhaltung?
 

Der Esel ist ein Lauftier. Von Natur aus sind Esel ständig in Bewegung und legen dabei schnell 20 km am Tag und mehr zurück. Es ist ein langsames umherwandern auf der Futtersuche über 16 - 18 Stunden.

 

Vor allem die jungen Esel haben einen ausgeprägten Spieltrieb, sie toben, rennen und balgen täglich ausgiebig und oft sehr dynamisch miteinander, so dass es für einen unerfahrenen Beobachter nicht so einfach ist zwischen Spiel und Ernst zu unterscheiden. Wir können davon berichten dass sich auch die Erwachsenen zwischen 8 und 12 gerne und ausgiebig diesen Spielen anschließen.

 

Esel schlafen relativ wenig. So beginnt der Tagesrytmus unserer Esel meisst gegen 7 Uhr, bis 11 / 12 Uhr sind sie dann auf der ersten Futterrunde. Über Mittag wird gerne geruht und in der Sonne gechillt. Ab 15 Uhr werden sie dann wieder aktiv, suchen Futter, verteilen Liebesbekundungen und spielen und toben bis in den frühen Abend. Ab etwa 21 Uhr gehen sie wieder zur Ruhe über, und wenn ich nach 12 nochmal nach dem Rechten schaue finde ich alle Esel mümmelnd und nach Futter suchen auf der Koppel.

 

Voraussetzung für eine Artgerechte Haltung ist also eine ausreichend große Fläche die ihrem Bewegungsbedürfnissen gerecht werden. Damit die Esel auch in der schlechten Jahreszeit nicht im Matsch versinken muss also eine ausreichende Wetterunabhänige Bewegunsfläche mit einem Eseltauglichen Boden geschaffen werden.

Für uns - und viele Eselhalterfreunde - kann artgerechte Eselhaltung also nur das nur ein Eselleben im Offenstall mit 365 Tagen und 24 Stunden freiem Zugang zwischen Stall, Unterstand, Koppel und Paddock mit ausreichend Platz sein.

 

Täglich beobachte ich die Esel wie sie miteinander spielen, kampeln und ihre Zuneigung austauschen. Ein Leben in einer Box, wenn auch nur stundenweise, kann meiner Auffassung und unseren Erfahrungen nach den Bedürfnissen der Esel definitiv nicht gerecht werden!

 

Was aber ist nun ausreichender Platz?

 

In den Haltungsempfehlungen für Esel des Landes Niedersachsen werden folgende Flächen empfohlen bzw. gefordert:

- Offenstall mit min. 5 qm / Esel

- befestiger Boden im Außenbereich min. 150 qm

- Weide / Bewegungsbereich 500 qm bis 5 Esel, jeder weitere + 50 qm

 

Aufgrund unserer Erfahrung sind diese Zahlen wirklich der unterste Bereich dessen was benötigt ist und sollten zwingend deutlich überschritten werden!


Unsere Langohren haben mit ihrem Offenstall eine Fläche von 8500qm zur freien Verfügung.


Ich glaube ein zu groß gibt es nicht wirklich, es gibt nur ein zu klein.

Warum zu klein?
Weil unsere Esel - und das trifft sicherlich nicht nur auf unsere zu - naturgemäß sehr bewegungsfreudig sind und täglich, im Sommer meisst gegen Abend, im Winter meißt über Nachmittag, ihre "Wilde Zeit" haben.

Dabei wird dann laut IA-Schreiend Nachlauf auf der Koppel gespielt, sich gegenseitig angestiegen und gerauft.

 

Aber nicht nur dass, auch bei der Haltung von gemischten Gruppen ist Platz einfach das Schlüsselwort für Ausgeglichenheit, denn nur bei genügend Platz kann man sich auch aus dem Weg gehen.

 

Genauso wie der ausreichdende Platz für Aktivität sein muss, brauchen Esel einen Wettertauglichen Unterstand in den sie sich bei Regen jederzeit zurück ziehen können. Dieser Unterstand muss einen Schutz vor Wind und Regen bieten.

 

Somit bieten wir 4 überdachte und geschützte Bereiche:
das Weidezelt / Naturboden hat                                3,5 x 4 m = 14qm
Unterstand 1 / Gummiboden hat                                 6 x 8 m = 48qm

Unterstand vor dem Stalleingang / Gummiboden hat   6 x 8 m = 48qm

und der Stall / Gummiboden mit Einstreu hat              8 x 9 m = 72 qm

damit hat unsere Trekking-Esel Gruppe 182qm überdachten Raum zur freien Verfügung.

 

Wasser - der größte Feind in der Eselhaltung

Esel sind als urspüngliche Wüsten- und Steppenbewohner sehr anfällig wenn es um Wasser geht - ob von oben oder von unten ist dabei egal, das Fell ist nicht rückfettend wie z.B. bei einem Pferd, daher durchnässen Esel schnell brauchen dann eine Ewiggkeit bis sie wieder trocken sind und auch die Hufe sind nicht für feuchten Boden gemacht. Steht der Esel nass / feucht sind die Hufe viel zu weich mit der Folge dass sich Steinchen schnell eintreten und der Huf dann die beste Grundlage für Fäulnissbakterien und Pilze bietet.

 

Dies sind wichtige Aspekte die in der Offenstallgestaltung berücksichtigt werden müssen.
Für die Eselhaltung darf keine feuchte Wiese gewählt werden und es müssen Flächen geschaffen werden in denen ein Bodenbelag existiert der in der nassen Zeit ausreichend trockenen und festen Boden bietet und der bei nassen Tagen die "Feuchtigkeit" im besten Fall auch aus den Hufen nimmt - wir haben hier gute Erfahrungen mit Sägespähnen und Strohpellets als Einstreu gemacht.

Einstreu im Stall

 

Das Einstreu für den Eselstall sollte gut gewählt sein, doch sicherlich auch den Umständen, der Witterung und Haltungsbedingungen angepasst werden.

 

Wer einen Pachtstall hat kann oft nicht frei entscheiden oder muss sich an Auflagen halten - der optimale Mittelweg ist dann nicht immer einfach.

 

Gummi-Granulatmatten / Stallmatten

Ich bin ein großer Freund von Gummi-Granulatmatten mit Drainagesystem.
Diese geben einen weichen Boden der Gelenkschonend und wird von den Eseln auch sehr gerne zum liegen angenommen.
Ein weiterer Vorteil der Gummimatten: Die Esel pullern nur sehr ungern hier rauf da es dann zwischen den Beinen sprizt.
Bei dem richtigen Untergrund (ca. 2-3% Gefälle und Ablaufrinne) kann die wenige Nässe durch die Matten ablaufen was der Gesundheit der Esel zu gute kommt. Nun braucht nur noch 2-3 mal am Tag abgeäppelt zu werden und die Esel stehen so immer sauber, weich und trocken.
+  =  kein Einstreu das gefressen werden kann

-  =  bei ungünstigen Untergrund kann es im Winter vom Boden her zu kalt sein wenn die Langohren ruhen oder schlafen.

 

Strohpellets

Strohpellets haben wir im Jan. 2018 erstmals ausprobiert und ich bin von allen Einstreuarten davon aktuell am meißten angetan.

Die Pellets werden etwa 10cm dick eingestreut und dann mit etwas Wasser begossen damit sie aufquellen und zerfallen. Nach etwa 3 Stunden hat sich ein schöner "Teppich" gebildet der an einen alten Reithallenboden erinnert.

Von dem aufgetragenen Wasser ist erstaunlicherweise nichts mehr merkbar und trotz der feinen Partikel ist die Staubbelastung nicht größer als bei Hobelspähnen.

Die Strohpellets haben eine 6-10 mal höhere Saugleistung gegenüber Langstroh und etwa 4 mal mehr als Holzspähne.

Nasse Stellen und Äpfel sind sehr leicht zu entfernen, der Stall ist um einiges Trockener als bei den übrigen Einstreuvarianten und das Stallklima sowie die Geruchsbelästigung ist deutlich verbessert!

+ = wunderbar trockener Stall

+ = angenehmes Klima durch verringerten Geruch

+ = schnelle und einfache Handhabung

+ = günstiger als Hobelspähne

+ = weniger Mist und Mist mit Strohpellets verrottet binnen 3 Monaten und wird auch von Biogasanlagen abgenommen

- = manche Esel neigen dazu dieses Einstreu aus bequemlichkeit zu fressen, es muss daher immer ausreichend leicht erreichbares Raufutter zur Verfügung stehen!

 

Holzspähne

Säge- oder Hobelspähne sind eine gute Wahl wenn du ein weich und warm eingestreuten Stall haben willst bei dem die Arbeit sich im Rahmen hält.
Die Holzspähne sollten 10 - 15cm dick als Wintereinstreu den Stallboden bedecken.
Sie sind aber nur zu empfehlen wenn der Boden und das Dach komplett Wasserdicht sind, also keine Feuchtigkeit von außen in die Spähne dringt.
Mit einer einfachen Gabelschippe lassen sich hier die Äpfel einfach raussieben, die nassen Stellen werden dann mit einer Schippe rausgenommen.

Der große Vorteil der Sägespähne ist, dass sie immer wieder für trockene Hufe sorgen da das Holz eine gute Saugwirklung hat.

Der Nachteil ist jedoch der Preis in der Anschaffung wenn man nicht das Glück hat die Spähne direkt von einem Sägewerk zu beziehen. Eine leichte Restfeuchte in den Spähnen vom Sägewerk ist kein Problem, das schont die Atemwege der Esel

+  =  geeignet für kleine Gruppen

+  =  Hobelspähne sorgen für trockene Hufe auch bei nassem Wetter

-  =  manche Esel fressen die Spähne besonders gern wenn das Futter knapp gehalten wird was zu Koliken führen kann

-  =  Viele Biogasanlagen und Bauern wollen den Mist mit Spähnen nicht gerne abnehmen

 

Stroh

Stroh ist ein Einstreu das für uns ausschließlich im Winter in Frage kommt.

Hiermit kann auch in sehr Eselunfreundlichen Klimaregionen ein warmer Winterstall erreicht werden mit einem weichen Boden den die Esel gerne annehmen.
Jedoch ist gerade in einer Gruppenhaltung das Ausmisten von Äpfeln und nassen Stellen alles andere als Einfach, denn der Offenstall gleicht - gerade an regnerischen Tagen wenn die Esel nicht raus wollen - dann beim sauber machem eher einem Schlachtfeld und der Eselhalter steht vor dem Problem das eigendlich alles aus muss - doch die Mist-Stroh-Abfallmengen die sich so binnen weniger Tage ansammeln können echt ein Problem sein.

Auch wird der Eselhalter sehr schnell feststellen dass er gerade beim Einstreuen von Stroh eher etwas großzügig sein muss, denn die Esel fressen das Stroh im Winter und bei Regentagen sehr gerne, und wenn zu wenig trockenes da ist gehe sie auch an das nasse!

+  =  die Esel können das Kaubedürfniss im Winter durch Stroh befriedigen

-  =  viel Arbeit, ständig nass wenn zu dünn eingestreut, schlechte Saugwirkung des Einstreues und viel Abfall

-  =  bei zu viel Langeweile fressen die Esel ggf. auch das nasse Stroh wenn nicht schnell genaug ausgemistet wird

- = viel Mist der entsorgt werden muss / Abfall

 

Eine Mischung aus einer dünnen Sägespähneschicht auf den Pullerplätzen der Esel und darüber dann eine mitteldicke Strohschicht kann die beiden Streuarten sinnvoll miteinander ergänzen.

 

Dennoch sollte bei Stroh auch ein weiterer Nachteil bedacht werden: Weizen- und Gerstenfelder werden ausgiebig gespritzt.
Diese hochgiftigen Pestiziede befinden sich auch auf dem Stroh!

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