Trekkingtouren und Wanderungen mit Eseln
Trekkingtouren und Wanderungen mit Eseln

Esel richtig füttern

Futter!

ist ein oft unterschätzts Problem in der Eselhaltung in unseren Breitengraden.

Esel gelten als Genügsam, das sind sie auch, aber gerade das stellt gleichzeitig die Besonderheiten in der Eselfütterung dar.

 

Als 1. Faustregel gilt:

ein Esel braucht etwa 1 bis 1,5 kg Heu
und
0,5 kg Stroh / 100 kg

Berechnungsgrundlage ist das Optimalgewicht!

 

Diese Mengen scheinen nicht viel, aber Esel verwerten ihr Futte um etwa 30% besser als Pferde!

In freier Wildbahn bewegen sich Esel bei der Futtersuche tägtäglich über eine Strecke von etwa 20 km.
Spätestns jetzt wird den engagierten Eselhalter klar: das richtige Füttern ist nicht so einfach:-)

 

Damit wir das richtige Füttern umsetzen hier ein paar Eckdaten:

- Esel haben einen Schiebedarm, wird dieser zu lange nicht beansprucht steigt die Kolikgefahr
- Fresspausen von mehr als 4 Stunden sind zu vermeiden

- Esel benötigen ein recht karges, Faserreiches Futter mit geringem Energie / Zuckergehalt (optimal unter 10%, manche sprechen sogar von unter 8 % Zucker im Heu, ggf also das Heu testen lassen)

- das Sättigungsgefühl der Esel wird nicht über den Mageninhalt sondern über das Kaubedürfniss gesteuert!

- übergewichtige Esel haben vermehrt gesundheitliche Probleme, sehr häufig Hufprobleme und sind Rehegefährdet

 

Das bedeutet dass wir mit unseren 9 Eseln bei einem Lebendgewicht von insg. rund 1600 kg auf 16-24 kg Heu und etwa 8 kg Stroh pro Tag kommen.

(Diese Zahlen sollten als Richtwerte angesehen werden, denn je nach Haltungsform und Jahreszeit kann dies etwas schwanken da z.B. im Winter eine erhöhte Energiemenge zum erhalt der Körpertemperatur notwendig ist.)


Optimal ist eine 3x täglich, im Winter auch gerne 5x tägliche Gabe der einzelnen Futterrationen ohne die Tagesmenge zu überschreiten:-)

Fütterung aus dem engmaschigen Heunetz


Um diese Futtermenge auf einen möglichst großen Zeitraum zu strecken ist es am besten das Futter in Heunetzen mit nur 3 cm Maschenweite anzubieten.


Bei uns werden diese Netze und auf unterschiedlichen Plätzen auf unserer Gesamtfläche aufgehangen. Diese Plätze sind alle weit voneinander entfernt und auch weit weg vom Wasser, der Salz und Mineralleckstein ist dann nochmals auf anderen Plätzen. Die Esel müssen sich so ständig bewegen und dabei die größt mögliche Strecke zwischen Futter, Wasser und bequemem Stall hinter sich bringen.


Zur Fütterung von Heu empfehlen wir bei Eseln die Nutzung von wirklich engmaschigen Heunetzten mit einer Maschenweite von 3 x 3 cm.
 

Das Heunetz sollte dazu frei schwingend hängen, auch das erschwert das fressen aus dem Netz zusätzlich.

 

Futterstellen sind oft einfacher einzurichten als gedacht: ein Seil um einen dicken Ast geschwungen reicht schon.
Habe ich keinen passenden Ast, aber irgendwo 2 Bäume oder Pfosten in erreichbarer Nähe, dann ist es mit einem Spanngurt ganz einfach ein Seil zwischen diesen beiden zu spannen und daran kann dann mit einem Karabiener das Seil mit dem Netz gehangen werden. Wichtig ist hierbei, dass dieser Spanngurt zwischen den Bäumen / Pfosten so hoch hängt, das auch steigende Esel im Spiel sich daran nicht verletzen können.


Alternativ dazu ist auch ein Rechteckiges Großraumnetz in der Anschaffung angeraten (würde ich erst ab 3 Tieren nutzen), dieses lässt sich wunderbar als Raumteiler nutzen und gibt allen die Gelegenheit auch gleichzeitig zu fressen.
Als gute Größe hat sich dabei das Netz in 1,5 x 1 m herauskristalisiert, hier passen etwa 10 - 12 kg Heu rein.

 

als 2. Futter-Faustregel gilt:
auf der Bewegungsfläche werden möglichst viele Netze,
mindestens jedoch 1 mehr als die halbe Anzahl der Esel,
mit möglichst großem Abstand zueinander verteilt

(Das heißt wenn du 4 Esel hast hängst du 3 Netze auf, wenn du 6 Esel hast wären das 4 Netze)

 

Gerne können auch die einzelnen Futterstellen gewechselt werden, also wenn du 5 gute Pätze hast auf denen du deine 3 Netze aufhängen kannst dann hänge nicht jeden Tag die Netze an die selben Haken, sondern lass deine Langohren ruhig jeden Tag aufs neue rausfinden an welchen Plätzen heute das Heu zu finden ist:-)

 

Das Nutzen mehrerer kleiner Netze und Futterplätze ist nicht nur wichtig um die Esel in Bewegung zu halten, dies dient in einer Gruppe vor allen den schwächeren Tieren, denn nur so kommen auch diese stressfrei an ihr Futter:-)

 

Wer wert auf ein gutes Netz für Geldbeutel und Esel legt wird immer ein knotenloses Netz in einer guten Qualität kaufen - wir beziehen unsere Netze von Konege, eine gute Heusackgröße ist das Netz Midi mit 3 cm Maschenweite und einer Füllmenge von max 5 kg.
Diese kleinen Netze helfen auch die tägliche Rationsmenge besser zu überschauen.

 

Bei uns leben mittlerweile 9 Esel.

Bei den ersten habe ich mir noch Gedanken gemacht ob sie mit den engen Netzen klar kommen, mittlerweile kann ich sagen, dass es durchschnittlich 10-20 Tage dauert, bis die Esel mit diesen Netzen so gut klar kommen als wenn sie nie etwas anderes gemacht hätten:-)

Stroh als Winter-Futter

 

Um dem Kaubedürfnis der Esel gerecht zu werden, vorallem im Winter, wird in unserer "alten Heuraufe" und einem Großraumheunetz nun Knabber-Stroh jederzeit zur freien Verfügung angeboten. In der Heuraufe wird das Stroh mit einem "Großmaschigen" Heunetz (4,5 cm Maschenweite) abgedeckt, damit auch hier nicht so rumgesaut wird.

 

Gerade im Winter ist Stroh eine gute Futter- und Beschäftigungsalternative. Denn in dieser Jahreszeit ist die Bewegungsfreude und Möglichkeit für die Esel eingeschränkt und das Heu aus den Heunetzen wäre zu schnell leer, die Fresspausen würden zu groß.

 

Den Versuch Heu und Stroh in einem Netz zu mischen haben wir wieder aufgegeben, denn hierbei wird das Stroh nur rausgerissen da die Esel an das Heu wollen und dann das Stroh zertreten.


Auch ist das Heunetz mit der Eselfreundlichen Maschenweite von 3 x 3 cm nicht für Stroh nicht so gut geeignet, dazu nutzen wir ein Netz mit einer Maschenweite von 4,5 cm.


Das aufhängen eines seperaten Strohnetzes hat sich bewährt, die Esel können so ihr Kaufbedürfnis stillen und fessen immer sauberes Stroh und nehmen dieses gerne an.
Doch hier zeigt unsere Erfahrung dass auch bei unserer großen Gruppe ein einzelnes Strohnetz vollkommen ausreichend ist, hängen mehr Strohnetze sauen sie auch hier nur rum.

Kraftfutter

 

Kraftfutter wie Hafer und Co brauchen Esel definitiv nicht, hier ist für die Langohren viel zu viel Energie drinn die diese super Futterverwerter gar nicht verarbeiten und verbrauchen können.

Und auch wenn in diesem Punkt die Meinungen sehr weit auseinander gehen, so bin ich davon überzeugt, dass wir unseren Eseln mit etwas Strukturmüsli einen großen Gefallen tun. Gerade in der kalten Jahreszeit, wenn das Futterangebot sehr einseitig ist und wichtige Minerale, Spurenelemente und Vitamine nicht über Heu und Stroh aufgenommen werden können.

 

So haben wir nach langer Suche ein Zusatzfutter gefunden, welches unser Erfahrung nach für die Esel im Winter sehr gut geeignet ist.

 

Wir füttern jeden Abend eine kleine Mischung aus:

 

100 g Isländer Robust-Müsli von Marstall

10 g Mineralfutter Marstall Force

1/3 Messbecher Hufregulator von Marstall

20 g Sonnenblumenkerne ungeschält

2 Mören

1/2 Apfel

und an sehr kalten Tagen vielleicht mal eine trockene Scheibe Brot wenn vorhanden :-)

 

Diese Menge ist mehr als ausreichend für einen Esel mit 100 - 120cm Stockmaß

 

Am Anfang haben wir die Winter-Kraftfutter-Ration aus einzelnen Schüsseln oder Futterschalen gegeben. In einer kleinen Gruppe von 2-4 Eseln klappt das auch noch ganz gut.
Doch bei 9 ist der erste Fertig bis der letzte anfängt und es gibt dann immer einen der zu kurz kommt.
Um nicht jeden aben jeden Esel aufzuhalftern und anbinden zu müssen haben wir nach einer adäquaten Lösung gesucht.
Bei Pferden haben sich Fressständer mit Einzelboxen bewährt, doch wenn solche Fressständer gebaut werden sollen muss auch der notwendige Platz verfügbar sein. Da mir der dafür vorhandene Platz im Alltag als überdachter Platz zum Ruhen wichtiger ist, sind die Futterständer schon raus.

Also versuchten wir es mit einer schmalen, langen Raufe die an die Wetterschutzwand des Unterstandes montiert wurde.

Dieser Versuch klappt wunderbar, die Gruppe frisst friedlich in der großen Raufe abendlich die leckere Portion.

Knabberholz

 

Esel lieben Knabberholz. Jeder der irgendwo auf der Koppel, im Stall oder Paddock eine Holzeinzäunung hat kann davon ein Lied singen.
Das Knabberholz steht daher unseren Eseln auf der Koppel ganzjährig zur freien verfügung. Bevorzugt werden Stämme die leicht morsch sind, also schon 2-3 Jahre Wind und Wetter ausgesetzt waren.

 

als 3. Futter-Faustregel gilt:
Wenn du siehst,
dass deine Esel an dem Knabberholz fleißig nagen und fressen, stimmt die Tages-Futtermenge!

 


In der Kalten Jahreszeit bekommen unsere Esel dazu möglichst täglich Fichtenzweige und Äste. Mit diesen sind sie immer wieder gerne beschäftigt und es ist eine Abwechslung auf der Speisekarte im Winter.

Wasser


Auch wenn Esel als "Wüstentiere" sehr genügsam sind, und in freier Wildbahn in Notsituationen auch mal bis zu 5 Tage ohne Wasser auskommen können, benötigen Esel ständig einen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

 

Da Esel auch beim Wasser sehr skeptisch sind und nicht gerne aus fremden Wasserstellen oder fließenden Gewässen trinken haben wir uns für schwarze Maurerkübel entschlossen. Der größte Vorteil für mich dabei: einen schwarzen Eimer bekomme ich auch wenn wir unterwegs sind überall schnell mal organisiert wenn der eigene verschwunden, verlohren, defekt oder vergessen wurde:-)

 

Je Esel muss mit einer Tagesmenge von 5-10L Wasser je 100kg Körpergewicht gerechnet werden.

Druckversion Druckversion | Sitemap
© 2017 - 2018 trekking-esel.de, Manuela Habich