Trekkingtouren und Wanderungen mit Eseln
Trekkingtouren und Wanderungen mit Eseln

Sancho

Wallonen-Esel-Wallach, 118 cm

Abgemagert, dehydriert, verwurmt, Hautparasiten, Asthma und die Hüfe kaputt - so haben wir ihn in letzter Sekunde vor dem Tot gerettet

Sancho ist der traurigste Fall bei unserer Eselgruppe.


Im Mai 2016 bekam ich morgens um 10 Uhr einen Anruf: es sei dringend ein Esel abzugeben, ein Gelände wird geräumt und wenn er nachmittags um 14 Uhr noch da sei geht er mit ein paar Ponys zum Schlachter.


Ich setzte mich also sofort ins Auto und war gegen Mittag auf diesem Platz des Grauens. Sancho stand angebunden mit einer kurzen Strippe an einem Baum. Er war offensichtlich etwas verängstigt, stark abgemagert und hatte einen ziemlich übelen Parasitenbefall, die Hufe hatten auch seit Monaten keine Pflege mehr gesehen.


Meinem tierischen Berater Uncas gegenüber war er friedlich, dennoch er wirkte aber auch ein Stück weit leicht appatisch.

 

Ich befand mich in einer "Zeltstadt" mitten im Nirgendwo, Zusammengebundene Zäune, teiweise aus Bettgestellen gebaut, 2 kleine Ponys die ich schon als nicht mehr Transportfähig einstufte und Hunde an einer Kette die vor meinem Auto mit einem Abstand von gut 25m panische Angst hatten - es waren wohl Owtscharkas, um diese Hunde so zu verängstigen gehört eine ganze Menge hinzu, aber was hätte ich auf dieser Müllhalde voller Elend schon erwartet????

 

Die Frau die mich dort hin lootste hatte vor dem komischen Kerl der in etwas Entfernung rum stiefelte offensichtlich auch Bammel. Sie erzähle mir sie hätte Sancho vor wenigen Wochen aus Belgien mitgebracht, könnte sich aber nichts anderes als Stellplatz leisten und auch keinen Tierarzt. Da das Gelände heute geräumt wird und sie ihn nicht beim Schlachter wissen wollte wäre ich seine einzige Chance.

 

Also fuhr Sancho mit uns nach Hause.


In der Krankengeschichte ging es natürlich weiter:  hochgradig Verwurmt, starker Lungenwurmbefall, Mauke, ständiges Stolpern hinten: Hüfte nicht ok, Asthma, Kopfscheu

 

Der Versuch Sancho eine erste Wurmkur bei uns zu geben war eine Katastrophe: so wie ich mit der Tube in die Nähe seines Maules kam brach blanke Panik aus, gepart mit der sofortigen Bereitschaft sich massiv zur Wehr zu sehten!

Diese Panik zeigt sich bei jeder Situation in der ich einen stabähnlichen Gegenstand in der Hand halte und in die Nähe seines Mauls komme.
Sancho hat offensichtlich in der Vergangenheit extrem übele Erfahrungen mit einem Gebiss gemacht das wohl mehr als Unsachgemäß eingesetzt wurde.

Wir brachen den Versuch die Wurmkur zu geben ab und wiederholten das am Abend wieder mit ganz viel trockenem Brot in das winzige Mengen Wurmkurpaste immer zwischen 2 Scheiben gedrückt wurden!

 

Herbst 2016:
nach gut 6 Monaten im Offenstall geht es ihm schon deutlich besser, er hustet nur noch selten und hat sich zu einem sehr schönen Esel gemausert, und die Hüfte quält ihn durch die mehr Muskulatur nicht mehr so sehr, er stolpert fasst nicht mehr.

 

Doch im Kopf sind die alten Geister immer noch - es gibt leider viele Situtionen im Umgang die ihm offensichtlich Angst machen, dann stellt er das Fressen ein und erstarrt oder er tritt auch schon mal ganz gezielt beim Auskratzen der Hinterhufe.....und er trifft! Eine blutende Nase besorgte er mir schon bei einem der ersten Versuche die Hinterhufe zu reinigen!

Sancho wird noch viel Zeit brauchen, aber er ist erst 10 Jahre und Zeit kann er haben so viel er braucht:-)
Denn in seinem Herzen ist er ein ganz lieber der zum Glück den Glauben an die Menschen nicht verlohren hat. Das beweist er uns täglich wenn er mal wieder zu einer Extraportion Streicheleinheiten zum schmusen kommt.

 

Juni 2017:

Sancho ist mittlerweile "angekommen".
Er vertraut uns immer mehr, ist immer zum schmusen da wenn er Menschen sieht. Das Auskratzen der Hufe klappt ohne Probleme und auch beim Wandern stolpert er mittlerweile gar nicht mehr:-)
Er ist gerne bereit bei allem mitzumachen und lässt sich auch auf neues sehr schnell ein.
Der rote Spielball ist sein Lieblingsspielzeug und am schönsten ist das Spiel damit scheinbar wenn er Julius den Ball auf den Kopf hauen kann:-)

Sancho ist ein echter Engel und immer absolut ehrlich.

Die Offenstallhaltung und unser 8500qm Koppel tun ihm sehr gut.

 

März 2018:

auch wenn Sancho ständig zum Schmusen kommt hat sich die Problematik "Wurmkur aus der Tube ins Maul" kein bisschen geändert. Die Erfahrungen sitzen wohl mehr als Tief in der Seele dieses armen Esels.
Doch mitlerweile haben wir einen einfacheren Weg: die Wurmkur einfach in eine Schüssel mit Müsli, Karotten und ein bisschen Brot und sie wird anstandslos gefressen:-)

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